Autoreninterview mit Fatime Páll


Schönschrift Verlag: Wie sind Sie dazu gekommen, Autorin zu werden?

Fatime Páll: Ich bin Ungarin und wohne seit acht Jahren in Deutschland. Anfangs hatte ich sehr großes Heimweh. Um das Heimweh zu verarbeiten, fing ich an, alles aufzuschreiben, was mir passierte. Es wurde eine Art Tagebuch, aber kein klassisches. Ich schreibe Märchen über mein Alltagsleben. Irgendwann habe ich eine Liste mit zehn Dingen erstellt, die ich bis zu meinem 30. Geburtstag geschafft haben wollte. Ein Buch zu veröffentlichen stand auch auf dieser Liste. So entstand mein erstes Buch „Kis Világ – Kleine Welt”. 

Schönschrift Verlag: Was macht Ihnen am meisten Spaß daran, Bücher zu schreiben? 

Fatime Páll: Während ich schreibe, bin ich in einer ganz anderen Welt, eben in “Fatimes Welt”. Dort gibt es nur schöne bunte Farben, fabelhafte Wesen und mächtige Kreaturen, und ab und zu kommt auch mal ein kleiner Pinguin vorbei. Ich tauche in diese Welt ein und erlebe viel Schönes, manchmal sehr Bewegendes. Diese Emotionen schreibend ausleben zu können, das macht mir am meisten Spaß. 

Schönschrift Verlag: In welchen Genres schreiben Sie? 

Fatime Páll: Ich schreibe zweisprachige Kinderbücher (Ungarisch-Deutsch) und arbeite seit einiger Zeit an einem Liebesroman. 

Schönschrift Verlag: Was schreiben Sie am liebsten? 

Fatime Páll: Am liebsten schreibe ich Märchen, weil darin einfach alles passieren darf. 

Schönschrift Verlag: Würden Sie anderen empfehlen, ebenfalls Autor zu werden? 

Fatime Páll: Wenn jemand diesen großen Traum hat, dann auf jeden Fall. Allerdings kann man leider nicht davon leben, ausschließlich Autor oder Autorin zu sein. Man braucht einen „Brot-Job”, um sich seinen Lebensunterhalt finanzieren zu können.

Schönschrift Verlag: Helfen Sie anderen dabei, bessere Autoren zu werden? 

Fatime Páll: Ich bin Anfängerin und denke, dass ich selbst noch Unterstützung brauche. Zum Beispiel wüsste ich gern genauer, wie manche Dinge in der Buchbranche funktionieren.

Schönschrift Verlag: Haben Ihre Bücher etwas mit Ihrem wirklichen Leben zu tun?

Fatime Páll: Auf jeden Fall. Meine Geschichten sind mein Leben in Märchenform. Die Hauptpersonen in meinen Büchern gehen zurück auf reale Personen, die einen großen Einfluss auf mich hatten. Dieser Einfluss war mal positiv, mal eher negativ. Das verraten die Geschichten. 

Schönschrift Verlag: Falls ja, gibt es eine besondere Begebenheit, die Sie verarbeitet haben? 

Fatime Páll: Ja, diese ersten acht Jahre in Deutschland. Obwohl Ungarn ein Land in Europa ist, gibt es doch kulturelle Unterschiede zwischen den Menschen hier und dort. Die Geschichten haben mir geholfen, diese Unterschiede teilweise zu überwinden. 

Schönschrift Verlag: Wie viele Bücher haben Sie schon geschrieben? 

Fatime Páll: Ich habe bislang drei Bücher veröffentlicht, zwei im Selbstverlag und eines beim Schönschrift Verlag. Und ich habe zwei Beiträge in Anthologien veröffentlicht (eine ungarische und eine deutsche Anthologie).

Schönschrift Verlag: Welches Ihrer Bücher mögen Sie am liebsten?

Fatime Páll: Schwer zu sagen. Ich liebe mein erstes Buch, weil man dort Geschichten über meine Eltern findet, über meine beste Freundin hier in Deutschland, über meinen ersten netten Chef, der mittlerweile wie ein großer Bruder für mich geworden ist. Mein zweites Buch liebe ich besonders, weil es einige Illustrationen von mir enthält und weil es von wunderschönen Drachen handelt. Und das dritte Buch liebe ich, weil der kleine Pinguin Willi jemand Besonderes für mich ist. Und es ist das erste Buch, das komplett aus meiner Hand ist, damit meine ich die Geschichten und die Illustrationen. 

Schönschrift Verlag: Für welchen Typ Mensch schreiben Sie Ihre Bücher? 

Fatime Páll: Für alle Menschen, die gern Märchen lesen.

Schönschrift Verlag: Welche Genres lesen Sie gern? 

Fatime Páll: Ich lese Vieles gern. Ich mag Bücher in Richtung magischer Realismus, meinen eigenen Stil würde ich vielleicht auch so benennen. Ich lese gern Paulo Coelho, Haruki Murakami, Kobi Yamada oder Bücher von George Orwell. 

Schönschrift Verlag: Welches ist Ihr Lieblingsbuch? 

Fatime Páll: Das ändert sich immer wieder einmal. Mein aktuelles Lieblingsbuch ist eines von Haruki Murakami – „Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt”. Und ich liebe das Buch „Was macht man mit einer Chance?” von Kobi Yamada. 

Schönschrift Verlag:​ Welches Buch haben Sie als Kind am liebsten gelesen? 

Fatime Páll: Das war „Alice im Wunderland”. Ich liebe den Hutmacher und dieses Zitat:

Alice zum Vater: “Glaubst du, ich habe den Verstand verloren?”

Vater zu Alice: “Ich fürchte, ja! Du bist übergeschnappt, hast eine Meise, bist nicht ganz bei Sinnen. Aber weißt du was? Das macht die Besten aus!”

Schönschrift Verlag: Welches Buch hat Sie besonders beeindruckt und warum? 

Fatime Páll: Die drei oben genannten Bücher, weil ich mich darin selber wiederfinde. 

Schönschrift Verlag: Gibt es ein Buch, welches Sie überhaupt nicht mögen? 

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Schönschrift Verlag: Warum haben Sie mit dem Schreiben begonnen? 

Fatime Páll: Um mein Heimweh zu verarbeiten.

Schönschrift Verlag: Unterstützt Sie Ihr Umfeld beim Schreiben? 

Fatime Páll: Ja, meine Familie. Meine Mama, mein Papa, meine Schwester, mein Bruder und dessen Kinder, die einjährige Olívia und der dreijährige Péter unterstützen mich. Und ich habe einen großartigen Freund, der mich auch unterstützt, und ich habe sehr, sehr liebevolle Menschen um mich herum.

Schönschrift Verlag: Wodurch werden Sie inspiriert? 

Fatime Páll: Von meinem Alltag: von Menschen, Handlungen, Farben, Düften, Begegnungen, Gefühlen – und von ein bisschen Magie.

Schönschrift Verlag: Was tun Sie, um eine Schreibblockade aufzulösen? 

Fatime Páll: Ich esse Schokolade. 🙂 Kreativität oder Schreiben kann und darf man nicht erzwingen. Wenn es da ist, dann schreibe ich gerne. Wenn es nicht da ist, dann mache ich eben Pause und beschäftige mich mit anderen schönen Sachen, wie Malen, Zeichnen, Fotografieren, Spazierengehen, Eisessen, Nähen oder Schlagzeugspielen.

Schönschrift Verlag: Was würden Sie Ihrem Deutschlehrer/in sagen? 

Fatime Páll: Dass ich an meiner Rechtschreibung und Ausdrucksweise noch arbeiten werde 🙂


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