Mein Name ist Sandra Wagner, ich bin 38 Jahre alt und wohne mit meiner Familie im oberfränkischen Landkreis Coburg. Das Leben führte mich auf Irrwegen und durch scheinbar sinnlose Umwege in ein heute sehr wertgeschätztes Dasein. Ich bin in Frieden mit mir und meiner Geschichte, ich lebe in Dankbarkeit und Erfüllung. Mein Leitspruch “Alles ist gut”, der mich bereits seit Jugendzeiten sicher durchs Leben lotst, führt mich heute wieder vertrauensvoll an der Hand. Ich fühle mich in meinem Leben wohl behütet und mit meinem Schicksal im Reinen.  
Mein Schicksal … ja. Dieses brach am 28. August 2010 um 18.35 Uhr mit einer Urplötzlichkeit über mich herein …
Ist es nicht erstaunlich, wie ein Tag, oder auch nur ein Augenblick, einen so tiefen Einschnitt hinterlassen kann, dass man hinterher alles nur noch in ein “Davor” oder ein “Danach” einteilt?!

Bis zu jenem Samstag vor rund neun Jahren war in meinem „Davor“ alles gut. Ich war glücklich verheiratet und nach über drei Jahren Kinderwunschzeit endlich schwanger. Unser Herzensziel, die Geburt unserer Wunschzwillinge, lag nur noch drei Monate entfernt. All unsere Träume schienen sich nach und nach und Hand in Hand zu einer wunderschönen Realität zu verbinden.
Doch plötzlich traf meinem Mann und mich ein gewaltiger Schicksalsschlag, der uns ohne Vorwarnung aus unserem guten „Davor“ herausschleuderte und heftig in das unbekannte Terrain “Danach” katapultierte. Unsere Zwillinge Romy und Lenny verstarben an diesem Tag nur wenige Stunden nach ihrer Geburt. Gott hatte ihnen und uns nur eine gemeinsame Zeit von 23 Schwangerschaftswochen geschenkt.
Die Zeit der Trauer um unsere beiden Wunschkinder war die prägendste Zeit meines Lebens. Erst als ich mich ganz schwach fühlte erfuhr ich, wie stark ich wirklich bin. In dieser vom Leben völlig losgelösten Ausnahmesituation erhob sich meine ganze Stärke wie ein Gänseblümchen aus einem Riss im Asphalt. Und im dunkelsten Grau sah ich plötzlich Farben, die ich vorher nie wahrgenommen hatte.

Ich fühlte mich nach einer gewissen Zeit der Trauer so stark mit meinen verstorbenen Kindern verbunden, dass ich manchmal das Gefühl hatte, eher im Himmel zu Hause zu sein, als hier auf Erden. Bis ich allmählich erkannte, dass Himmel und Erde nicht getrennt voneinander existieren, viel mehr noch, dass sie untrennbar miteinander verbunden sind …
Vor drei Jahren begann ich ein Studium bei der Schule des Schreibens, als ich den festen Entschluss gefasst hatte, meine besonderen Erfahrungen auf dem Trauerweg in Form eines Buches zu veröffentlichen. Im Rahmen des Fernlehrgangs „Biografisches Schreiben“ entstanden die ersten Kapitel des autobiografischen Romans Wenn aus Trauer Liebe wird. In meinem Debütwerk berichte ich über meinen versöhnlichen und lebensbejahenden Weg durch die Trauer und vermittle dabei wertvolle Impulse für Selbsterkenntnis und bewusster Lebensgestaltung.
2015 schloss ich mich der Schreibwerkstatt Coburg an und seit rund einem Jahr bin ich Mitglied der Coburger Autorengruppe Schreibsand. Im Laufe der letzten – sehr „schreibaktiven“ Jahre – entstanden neben meinem Buch noch eine Vielzahl weiterer Texte, die als Schwerpunkt meist die Themen Tod, Trauer und Neubeginn behandeln. Ich hielt verschiedene Lesungen in den Stadtbüchereien unserer Region und fand mit meinen Texten stets den direkten Weg in die Herzen der Zuhörer.
Als Gründerin der Selbsthilfegruppe „Sternenkinder Coburg“ engagiere ich mich heute für trauernde Sterneneltern und absolviere gegenwärtig eine Ausbildung zur Familientrauerbegleiterin im Sternenkinderzentrum Bayern.
Mit meinem Buch „Wenn aus Trauer Liebe wird“ möchte ich verwaisten Eltern einen spirituellen Wegweiser durch das Labyrinth der Trauer in die Hand legen. Einen Kompass, der Betroffene zu einem neuen Anfang führen kann, auch wenn sie das Gefühl haben, bereits am Ende angekommen zu sein …

Nothing Found